[9] Langfristigkeit

11.11.2018

 Kurzfristigkeit ist also ungeeignet, um der Menschheit das Überleben zu ermöglichen. Ich will meinen Tugendkanon teilen und den Zusammenhang zwischen ihnen und Langfristigkeit benutzen, um beider Erstrebenswertigkeit zu verdeutlichen. Ich merke mir die Tugenden mit Körperteilen: Stirn, Augen, Brust, Bauch, Beine, Füße und Hände. Denn die Tugenden nach meinem Verständnis sind: Unbrechbare Geistesstärke, Voraussicht, Gesundheit, Freiheit, Eintracht und Anstand.

Tugenden sind Formen unseres Wollens. Tugenden sind Tätigkeiten, Handlungen, Haltungen, Zustände, Ideale oder Perspektiven. Sie sind Teil unserer Persönlichkeit, unseres Charakters. Tugenden sind essentiell immernoch im Übermaß ruheschaffend. 'Zu viel' ist per Definition schlecht. Zu viel des Guten ist nicht gut. Aber die Tugenden als Einheit haben kein Zuviel. Jede Tugend ist notwendigerweise an das Prinzip der Langfristigkeit gebunden. Jede Tugend kann auch anders genannt werden, so gab es in der Geschichte schon oft verschiedene Tugendkanons mit verschiedene Namen. Nicht jeder Kanon ist gleich, aber doch ähnlicher als die Worte vermuten lassen.

Langfristigkeit baut unsere Wege von einem unruhigen Trampelpfad durch einen Dornenbusch zu einem sicheren,beständigen und vorallem ruhebringenden Wanderweg mit malerischer Aussicht aus. Außerdem bringen wir unserer Umgebung Zufriedenheit. Wenn wir alle zufrieden werden, dann müssen wir nicht die Erde um und unter uns ausbeuten, in dem verzweifelten und widerlichen Versuch noch ''glücklicher'' zu werden. Was sind also diese erstrebenswerten Handlungsideale und wie werden wir tugendhaft?

Unbrechbare Geistesstärke

Geistesstärke ist ein Synonym für Willenskraft und die Macht unseren Willen zu machen. Diese Macht drückt sich unter anderem in der Fähigkeit der Selbstkontrolle, der Konzentation, des Gedächtnisses aus. Jeder besitzt unterschiedlich trainierte Geistesstärke. Diese Tugend beschäftigt sich mit Steuerung unseres Wollens und damit auch unserer Handlungen. Besser gesagt mehrerer, zeitlich ungleichzeitigen Handlungen, welche wir durchführen sollten, um unser Wollen zu erfühlen. Wozu brauchen wir Geistesstärke? Es gibt wenige Handlungen, welche keine Energie brauchen um getan zu werden. Meist nimmt die Anstrengung von anstrengenden Tätigkeiten über einen Tag zu je mehr wir von ihnen tun. Ein passendes Bild ist ein Akku. Er wird entleert und wieder befühlt. Wenn unsere Geistesstärke gebrochen, der Akku leer, ist, dann wird es unmöglich für unseren Willen durch unseren Körper zu Handeln, weil der Wille nicht mehr will. Eine größere Kapazität lässt sich antrainieren und das Wiederaufladen mit Nahrung, Sport, Schlaf und Meditation ist vital.


Voraussicht

Voraussicht ist eine Perspektive auf zukünftigen Ereignissen. Wenn wir voraussichtig sind, erkennen wir die Wahrscheinlichkeit von unterschiedlichen, zukünftigen Begegnungen. Wir sehen vor uns, indem wir die Kausalketten ansatzweise verstehen und somit zutreffender raten. Je größer unsere Voraussicht ist, desto beruhigter können wir barfuß über Waldwege flanieren.

Wenn wir sehen, was Furchterregendes auf uns zu kommt, können wir versuchen es abzuwenden. Wenn das nicht möglich ist, dann werden wir es besser akzeptieren können. Durchschauen wir die kausalen Zusammenhänge, bleibt viel der negativen Aufregung aus. Bei Voraussicht ist die Anwesenheit der Langfristigkeit unverkennbar. Wie im ersten Kapitel erläutert wurde, ist unsere Realität unglaublich komplex, deshalb bleibt unsere Voraussicht begrenzt. Und dennoch werden wir mit Voraussicht unsere guten Absichten in gute Resultate verwandelt sehen.


Erhabenheit

Sie ist der Trotz, der Widerstand, der Unwillen sich bei Unruhen und Zufall weinerlich, resigniert in eine Ecke zu verkriechen. Michelangelos Plastik ''David'' ist ein Wahrzeichen der Erhabenheit. Gelassen steht David im Kontrapost, den Feind Goliath entschlossen ins Auge gefasst und in seiner rechten Hand über die Schulter gelegt seine Waffe: eine einfache Steinschleuder. Er steht einer muskulösen, gerüsteten Übermacht entgegen. David stellt sich in den Weg und durch geschickte Kampfweise wird er gewinnen. Er braucht dafür keinen Gott.

Erhabenheit ist die entspannte und entschlossene Haltung nicht vor der kommenden Herausforderung in die Knie zu gehen oder die Flinte ins Korn zu werfen, sondern zu überlegen, wie die Chancen auf einen Sieg stehen und wie wir diese Wahrscheinlichkeit durch Intelligenz und unsere Fähigkeiten verbessern können. Wenn der kommende Konflikt nicht zu gewinnen ist und das Ausweichen weniger negative Folgen aufweist als das Verlieren, dann wird ein geordneten Rückzug für unser Wachstum erstrebenswert sein. Durch Erhabenheit können wir über unruhebringenden Ereignissen stehen, um langfristiger Ruhe zu schaffen.


Gesundheit

Wenn wir gesund sind, sind wir im Besitz all unserer Kräfte. Krankheit ist Mangel. Die Häufigkeit von gesund sein und krank sein nehmen wir intuitiv verkehrt herum wahr. Der Normalzustand ist die Krankheit. Wenn wir glauben wir seien gesund, dann wurden wir noch nicht gründlich genug untersucht.

Biologisch betrachtet ist es sehr unwahrscheinlich, dass dem Körper auf lange Zeit nicht an irgendetwas fehlt oder zu viel von etwas hat. Ein komplexer Organismus benötigt ständig Teile und Umformungen.

Krankheit ist normal, manchmal angeboren oder immer wiederkehrend. Wir müssen aktiv für unsere Gesundheit sorgen. Die Methoden dazu sind meist sehr simpel und anwendbar. Kaltduschen ist ein guter Anreger für das Immunsystem, zudem erweitern wir die Willenskraft. Meditieren stärkt bewiesen die Herzkohärenz und baut Stress ab. Sport ist eine Wunderwaffe und hat sehr viele gesunde Auswirkungen. Weiterhin ist man, was man isst. Unsere Nahrung ist die Energie für Uns. Wenn wir giftige Nahrung aufnehmen, kommt Energie zusammen mit Schadstoffen in uns.

Wir können nicht gesund sein, aber es versuchen. Ich will so lange es geht leben. Das Erdenleben ist interessant und herausfordernd. Wenn jemand frühzeitig diese Welt verlassen möchte (und ich spreche hier nicht von Mars-Kolonisation), kann er natürlich gerne rauchen, Alkohol trinken, wenig Sport machen und Fast-Food essen. Das ist seine freie Entscheidung.


Freiheit

Wir können frei handeln. Die Welt so begehen wie wir wollen.Freiheit ist eine Haltung . Freie Entscheidungen können genauso letal wie langfristige Entscheidungen sein. Freiheit befreit uns von dem Zwang nur eine Handlung tun zu können. In manchen Fällen wird ein Zwang uns vielleicht Ruhe schaffen, aber wenn nicht, dann wünschten wir befreit von der Notwendigkeit dieser schlechten Handlung zu sein.

Freiheit ist heute glücklicherweise als etwas sehr Wichtiges anerkannt. Im Grundgesetz ist sie direkt nach der Menschenwürde verortet.

''Art 2 (1) Jeder hat das Recht auf die freie Entfaltung seiner Persönlichkeit, soweit er nicht die Rechte anderer verletzt und nicht gegen die verfassungsmäßige Ordnung oder das Sittengesetz verstößt. (2) Jeder hat das Recht auf Leben und körperliche Unversehrtheit. Die Freiheit der Person ist unverletzlich.'' -deutsches Grundgesetz

Zu Freiheit und Determinismus will ich noch ein eigenes Kapitel verfassen. Freiheit cool, Freiheit tugendhaft.

Eintracht

ist ein altes Wort. Die gemeinte Harmonie mit der Natur ist erstrebenswert, weil Symbiosen per Definition für beide Seiten gut ist, während Räuber-Beute-Beziehungen nur einer Seite nutzt. Eintracht ist eine Vorstellung. Natur ist alles das was Wachstum und Zerfall unterliegt.

Nur weil wir komplizierte Technologie haben und wir im antropozän Zeitalter leben, sind die Prinzipien der Biologie und der Ökologie nicht unwirksam. Wir müssen dafür nicht barfuß durch den Wald laufen oder Bäume umarmen, es reicht schon aus nachzudenken. Was brauche ich? Was brauchen andere? Und auch hier ist eine langfristige Herangehensweise der Schlüssel zu einem Leben mit Akzeptanz von Konflikten mit Wachstum und Zerfall.


Anstand

Anstand ist eine Intuition. Durch Anstand können wir intuitiv in alltäglichen Situationen ohne lange ethische Überlegen anzustellen spüren, was der Gesellschaft gut tut und was ihr schadet. Eine Gesellschaft braucht Vertrauen und Kooperation. Anstand ist eine antropologische Konstante.

Wir leben länger, wenn wir anderen helfen und Geschichten austauschen. Aristoteles ahnte schon, dass wir nicht darauf ausgelegt sind alleine zu sein.Wir haben ein Bedürfnis nach anderen. Grob gesagt streben wir mit Anstand an dem Gegenüber nicht ins Gesicht zu springen oder ins Gesicht gesprungen zu werden, sondern einen höflichen, ehrlichen und empathischen Austausch ohne den anderen auszunutzen oder zu verletzen.

Wenn wir vertrauen können, wird Leben leicht. Es gibt wohl nichts bekanntes Lebendiges was durch Kooperation mächtiger ist als Menschen. Vertrauen und eine gute Beziehung aufzubauen braucht Zeit.


Jede Tugend ist mit Langfristigkeit verbunden. Langfristigkeit und Kurzfristigkeit sind relativ zu einander. Ich bin der Überzeugung, dass wenn wir nach den Tugenden streben, werden wir eine bessere Welt verlassen, als wir vorgefunden haben. Wenn es auch nur im Kleinen ist.  


Zusammenfassung:

- Mein Moralsystem basiert auf einem Tugendkanon.

- Langfristigkeit und Tugend hängen eng zusammen.

- Tugenden machen das Leben ruhiger.


Nächstes Kapitel: Ein Punkt über Weltrettung