[8] Der Feind

11.11.2018

Wer ist der Feind der Menschheit? Wie handelt er und warum?


Wenn ein bestimmter Artikel vor ihm steht und ich ein Kapitel über ihn schreibe, muss er wohl relevant und mächtig genug sein. Auch nennen wir etwas nicht Feind , was wir nicht bekämpfen können. So muss dieser auch ein Lebewesen sein, denn abstrakte Begebenheit wie Zeit oder Zerfall sind zwar Hindernisse, aber kein Gegner. Sie agieren nicht. Und wie schon im Synonym Antagonist anschaulich ist, ist der Gegenspieler ein Agierender. Nur etwas Lebendiges kann aktiv agieren. Aber welches Lebewesen ist wohl das Mächtigste auf der Welt? Wenn Macht die Fähigkeit etwas zu ändern ist, dann ist der Mensch mit seinen drei Komplexitäten und seiner Anpassung und Gewöhnung wohl unumstritten das mächtigste Lebewesen, welches wir kennen.

''Homo homini lupus'', (Der Mensch ist des Menschen Wolf) sagte Hobbs. Aber seine Inspiration aus der römischen Komödie Asinaria von Plautus lässt den wichtigsten Teil aus, denn ursprünglich ist geschrieben: lupus est homo homini, non homo, quom qualis sit non novit. Das bedeutet frei übersetzt: Der Mensch ist des Menschen Wolf, wenn er sich nicht kennt. Also ist wichtig, dass dieser menschliche Gegner die Menschen, welche von ihm geschädigt werden, nicht kennt. Auch evident ist, dass Menschen erst durch Kooperation ihre volle Macht erhalten.

Cooperations, Unternehmen, Firmen usw. sind der Feind. Was macht sie zu unserem Feind? Die kurze Antwort ist: Kurzfristigkeit. Wer zerstört die Erde, drescht die Regenwaldbäume um, will mehr von der Natur, als sie uns unbeschadet geben kann? Ich sehe die Natur nicht als fühlendes, denkendes Wesen, aber die Personifikation soll verdeutlichen, dass Sie alles Leben ermöglicht. Ohne die zahlreichen Bedingungen, welche für die Existenz von Lebewesen gebraucht werden, vergehen wir in der Non-Existenz, der ewigen, höchsten Langeweile (falls es keine transzendente Macht mit Bewusstsein gibt), welche jenseits jeder Einteilung in Ruhe und Unruhe liegt. Die Erde ist der Urgrund, die Grundvoraussetzung für alles Denkende und für das gesamte, bekannte Leben im Universum. Sie ist endlich. In 5 Millarden Jahren wird sie von der explodierenden Sonne zerrissen, zerschmolzen, pulverisiert und in 500 Millionen Jahren, könnte wegen der zunehmend intensiven Sonnenstrahlen die Erde nur noch ein toter, Felsbrocken im All sein, aber die Unbewohnbarkeit unsere Heimat muss ja nicht beschleunigt werden.

Obwohl die Voraussetzungen so zahlreich sind, gibt es schon bei ein paar Ausfallenden große Probleme für viele Lebewesen. Wenn sich die Temperatur, die Zusammensetzung der Luft, die Intensität der Strahlung, die über Jahrtausenden stabilen Ökosysteme oder die Menge an Süßwasser ändert, sind die Folgen extrem. Und genau so etwas machen nun mal, spezifische, nicht alle(!) Unternehmen in einem Maß, welches tatsächlich unvorhersehbare, nicht wieder gut machbare Langzeitauswirkungen mit sich bringt. Die Menschen, welche dort diese fatalen und womöglich bald auch zunehmend letalen Entscheidungen treffen, denken in Quartalen, Quoten, Bonusen und Löhnen. Sie sehen die unter Menschen universell akzeptierte Projektion der Macht: Geld. Wenn man etwas sich nimmt, welches durch seine Beschaffenheit einen Nutzen und somit einen Wert hat und nicht selbst erschafft, sondern in der Natur vorfindet, muss man es nur wie gewünscht bearbeiten,Leute finden die es wollen und Tada! Profit.

Dieses Handeln, welches die langfristigen Konsequenzen ignoriert, also durchaus Kurzfristig genannt werden kann, ist besonders nicht ruheschaffend, weil zufälliger Weise diese Konsequenzen die Zerstörung unserer Lebensgrundlage sind. Ob den Managern und den Unternehmungsleitungen die Folgen bewusst sind und bewusst ignoriert und verdrängt werden oder ob ihnen diese Erkenntnis fehlt, weil sie mit komplexen Plänen des Raubbaus beschäftigt sind, weiß ich nicht. Welcher wäre wohl der beunruhigendere Fall?

Wie sollte und könnte er bekämpft werden, dieser Feind? Ihn abzuschaffen ist zu schwer und nicht ruhebringend für viele Menschen, weil Unternehmen uns die Muße geben, die viel zu oft verschwendet wird. In der Antike hatten die Adligen nur Muße, weil sie viele Sklaven hatten. Muße ist etwas wunderbares. Nur das Verhalten des Feindes muss geändert werden, sodass er kein Feind mehr ist. Entweder durch Steuerung und Regulation von Außen (vielleicht durch den Staat oder die Politik) oder durch eine Änderung in der Geisteshaltung der Verantwortlichen. Meine Hoffnung ist, dass die logischen Vorteile von Langfristigkeit genug Menschen überzeugen können, weg von der weitreichenden Zerstörung unserer irdischen Existenz zu gehen und richtige Entscheidungen zu treffen. Auch muss den Unternehmen nicht ihre heißgeliebte Ausnutzung von ihren Angestellten weggenommen werden, nur die Handlungen, welche unsere Erde in einen Zustand bewegt, in dem wir nicht mehr leben wollen.


Zusammenfassung:

- Bestimmte Unternehmen mit kurzfristigen Entscheidungen vernichten unsere Lebensgrundlage.

- Entweder wir ändern ihr Verhalten (z.B. mit Regeln).

- Oder wir akzeptieren, dass langfristige Veränderungen auf uns zu kommen.


Nächstes Kapitel: Langfristigkeit