[3] Die Rolle der Rhetorik

15.03.2018

 Die Sprache ist eine der drei Komplexitäten, die uns von Tieren unterscheidet. Wir sind Tieren biologisch, physisch und durch unsere Kurzfristigkeit ziemlich nahe. Dennoch bin ich der Auffassung, es gibt fundamentale mentale Unterschiede zwischen uns und jenen.

Die Gemeinsamkeiten sind zahlreich, aber jetzt erst mal nicht relevant, deshalb erst mal die Unterschiede.

Die Drei Komplexitäten:

  1. Der komplexe Verstand

  2. Die komplexen Werkzeuge

  3. Die komplexe Sprache

Verstand, Werkzeuge und Sprache werden auch von Tieren genutzt. Ein Affe zertrümmert mit einem Stein Nüsse; Wale kommunizieren durch den meditativ nutzbaren Walgesang und einige Tiere können erstaunlich gut von uns gestellte Rätsel lösen, um an Nahrung zu kommen.

Den Menschen sind diese drei Eigenschaften auch zugänglich. Nur sind diese signifikant komplexer ausgeprägt. Wir haben hunderte unterschiedliche Sprachen auf der Welt. Wobei Englisch die Weltsprache, also die genormte Hauptsprache der Menschheit, ist. Wir bauen riesige Öfen und schmelzen Metalle, um daraus sich bewegende Maschinen zu konstruieren. Auch unser Verstand ist, nicht bewiesen aber vermutbar, der Komplexeste in der ganzen Tierwelt. Unsere sozialen und rechtlichen Systeme sind so komplex geworden, wir müssen diese aufschreiben, damit sie funktionieren können. Durch die Komplexitäten können wir Bücher drucken und die Sprache unsere Gedanken mit Logik und Wissen ordnen.

Diese Fähigkeiten beeinflussen einander und sind nur zusammen in großem Maße möglich. Wenn wir keine Sprache hätten, wie sollten wir dann über den Sinn des Lebens und des Todes nachdenken können, also unseren Verstand weiter formen? Ohne einen komplexen Verstand ist unsere Sprache nicht möglich, da nicht nur die Definition der Wörter uns bekannt sein muss, sondern wir auch ein Verständnis für die mögliche Intension des Anderen brauchen. Weil wir durch die nicht zielgerichtete Evolution und einen glücklichen Meteoriteneinschlag alle drei Dinge in uns über lange Zeit ausgeprägt wurden, sind wir an der Spitze der Nahrungsnetze.

In diesem Kapitel wird erst mal die Sprache beleuchtet.

Warum reden wir?

Wir sprechen, weil wir unter anderem unsere Bedürfnisse und Triebe zu befriedigen suchen. Dazu üben wir unsere (verbale) Macht aus. Mit Reden können wir das Verhalten von anderen Menschen ändern. So suchen wir Vorteile und Begebenheiten, welche uns Ruhe ermöglichen.

Reden kann aber noch einen unoffensichtlichen Grund haben. ''Die allmähliche Verfertigung der Gedanken beim Reden'', von Heinrich von Kleist, ist die Essenz dieses Grundes.

Während wir sprechen oder schreiben ordnen sich unsere Gedanken, weil wir dem Gegenüber etwas möglichst mit logischen Zusammenhang erzählen wollen. Und gerade wenn wir noch nicht wissen worauf wir hinaus wollen, arbeitet unser Gehirn so effektiv, sodass wir auf Ideen kommen, welche wir alleine nachdenkend nie oder sehr viel später erst gefunden hätten. Um Nachzudenken rede ich gerne mit mir selbst in Gedanken. Wahlweise können wir auch mit anderen reden, um neue Erkenntnisse zu erlangen, sollten aber bedenken, diese werden antworten wollen und wenn wir sie lassen kommen wir auf andere, teilweise keine oder noch bessere Ideen.

Selbst Aristoteles, der Vater der meisten Wissenschaften und ein großer Philosoph, hat nicht alle seine Erkenntnisse allein von sich, sondern tauschte sich mit Bekannten über die Themen aus. Sokrates ist ein noch besseres Beispiel. Wenn man den antiken Überlieferungen glauben kann, dann spazierte er jeden Tag auf den Plätzen Athens umher und sprach verschiedene Personen an und stellte ihnen Fragen. Was ein Held der Philosophie! So viele Fragen stellen, sodass er zum Tode verurteilt wurde. Welcher Philosoph sprach nicht mit Anderen über seine Erkenntnisse?

Wir können Ideen von externen und internen Quellen überdenken, ablehnen, umgestalten, ignorieren und übernehmen. Gerade in der heutigen Zeit ist es schwer etwas zudenken, was noch keiner gedacht hat. Ich bin mir sicher, dass dies bestimmt auch schon jemand gedacht hat.

Weiterführend behaupte ich, dass unser Sprechen ein Blick in die Persönlichkeit des Gegenübers ermöglicht. Die Selbstkundgabe ist charakteristisch für unsere alltägliche Kommunikation. Wir tauschen uns aus über unsere Befinden, Probleme und Wünsche. Einige Gespräche können Stillstand sein. Wir erlangen kein neues, relevantes Wissen und keine neuen Erkenntnisse. Manche Gespräche verändern das Leben positiv. Zum Beispiel ein Bewerbungsgespräch oder deine Liebeserklärung. Der Stillstand ist dagegen eine Momentaufnahme. Es liegt an uns hinzuschauen und die interessanten Details zu entdecken. Wenn Neugier aufkommt, lernen wir andere Menschen leichter kennen.

Warum ist Rhetorik notwendig und was ist diese?

Wir stellen uns Stephen Hawking vor, welcher Vorgestern gestorben ist, zu dem Zeitpunkt indem ich das hier schreibe. Dieser hochintelligente Mensch war seit seiner Kindheit schwerstbehindert und konnte mehr als 30 Jahre bis zu seinem Tod nur noch mit Hilfe eines Computers kommunizieren. Wenn er das nicht gekonnt hätte, wäre er ein unentdecktes Genie gewesen und hätte keine seiner Erkenntnissen mit der Welt teilen können.

Wir müssen unsere Gedanken ausdrücken können, sonst werden wir unsere bewegenden Erkenntnisse und Geschichten nicht mit der Welt teilen können.

Zudem ist es äußerst hilfreich, dass wir unsere Gedanken möglichst treffend formulieren können, damit wir eben diese mit der Welt teilen. Und je komplexer das Gedachte, desto schwieriger ist es dies in Worte zu fassen. Seit mehreren Jahren versuche ich aktiv meine sprachlichen Möglichkeiten zu trainieren, sodass ich meine Gedanken ohne Verfälschung oder Übervereinfachung zu äußern in der Lage bin. Es funktioniert nicht recht.

Rhetorik (Definition): Die Kunst der Überredung

Dafür übe ich mich in der alten Disziplin der Rhetorik, indem ich mich mit den Grundlagen von Charisma beschäftige oder Feldforschung nach der ''trial and error'' Methode betreibe. Um sich im Reden zu verbessern gibt es mehrere Wege. Reden, um sich zu verbessern im Reden; mit sich selbst reden oder Redegewandten zuhören. Wie einen Muskel, den wir trainieren, sollten wir es regelmäßig und zu einer Gewohnheit machen.

Der Profane braucht seine Muskulatur für seine Arbeit.

Der Intellektuelle braucht seine Rhetorik.

Meiner Meinung nach sind die besten Ziele eines Gespräches entweder der Realität näher zu kommen, also Diskussionen über zum Beispiel die Natur des Menschen; oder sich gegenseitig zu besseren Weltbewohner zu machen, denn wer sich besser macht, kann andere bessere machen.


Zusammenfassung:

- Reden macht uns zu Menschen.

- Reden hilft beim Denken.

- Rhetorik ermöglicht es komplexe Gedanken zu kommunizieren.


Nächstes Kapitel: Die Sinnfrage